Live-Reisebericht: mit der Lyrial entlang der südlichen Küsten Grönlands bis zur Ostküste Kanadas (8.-26.9.26, fertig am 28.9.)

 

Dienstag 8.9.: 9:00 - Start der Fahrt von zu Hause nach Paris, Charles de Gaulle Airport zum bestellten Parkplatz (ca.460 km) etwas außerhalb, dann mit dem Shuttle zum Hilton Airport Hotel. Dort werden wir von Ponant empfangen und eingewiesen.

  

   

Wir überfliegen Südost Grönland etwa auf der Höhe von Tassilaq und gelangen nach Wartezeit am Zoll endlich aufs Schiff...

 

Mi. 9.9.: Im Hotel werden wir morgens früh Frühstück haben und dann nach 9:00 zusammen mit der Gruppe zum Flughafen gebracht, um auf dem Charterflug gegen 11:00 einzuchecken. Dort gibt es dann ein kleines Mittagessen. Flugdauer ca.5 h für 3.600 km. In Nuuk werden wir per Bus zum Schiffsanleger gebracht und ab 16:00 Ortszeit (-4 h Zeitverschiebung) auf unserem Schiff eingecheckt. Ohne das zusätzliche Hotelpaket müßten wir uns um 9:00 direkt am Check-in einfinden. Der Weg bis Terminal 3 führt zu Fuß (+ kurze Busfahrt) durch den ganzen Flughafen und hat beim letzten Mal eine gute Stunde gedauert. Die Ponant Mitarbeiterin begleitet uns bis Nuuk. Der Koffer ist auf 23kg pro Person begrenzt, was aber kein Problem ist, da es an Bord eine gute Wäscherei gibt. Die wasserdichte, warme Zodiac-Kleidung macht das Gros des Gepäckgewichtes aus. Parka und Stiefel gibt es wie immer an Bord.

Früher, als die Seereisen noch in Kangerlussuaq starteten, sind wir oft privat via Kopenhagen dorthin geflogen, trotz der Autofahrt nach Paris, ist das heute ganz praktisch.

Jede Menge Sportboote zum Angeln und für die Robbenjagd liegen hier vertäut. Auf der anderen Fjordseite wächst das neue Nuuk immer weiter.

  

Im neuen Nuuk: Symbol der Arktischen Winterspiele von 2016 vor dem Gemeindezentrum.

 

In Nuuk 12:30 landen wir und unser Gepäck wird gleich für das Schiff verladen, wir gehen durch die Passkontrolle, haben unsere warmen Jacken & Handgepäcke dabei, draußen scheint bei 6°C die Sonne. Wieder zwei Busse, einer frz.-, einer englischsprachig. Wir fahren zuerst zum ziemlich modernen Gemeindezentrum zu einem kleinen Lunch (schon wieder, wir hatten doch schon im Flugzeug...). Dann geht es zum Nationalmuseum. Dort sind die besterhaltenen Mumien zu bestaunen, versteckt in der äußersten Ecke des Gebäudes. Wir kommen an der von Farbe gesäuberten Statue von Hans Egede und der Kirche vorbei. Neu ist die Isländisch und Kanadische Botschaft in einem Gebäude, was wohl den Zusammenhalt gehen US-Begehren zeigen soll. Als wir um 16:15 pünktlich zum Schiff kommen, ist die Grenzpolizei noch nicht da und wir machen eine weitere Stunde Exkursion. Es hat sich viel verändert in Nuuk, der neue Flughafen, viele neue Bewohner brauchen Wohnraum. Es werden viele neue Hochhäuser gebaut, meist mit 12 Stockwerken. Es gibt eine ganz neue Einkaufsmall, viele Cafés, sogar eine Tapas Bar sehe ich im Vorbeifahren. In den nächsten 10 Jahren soll die Population von derzeit 20.000 auf 30.000 EW steigen, insgesamt leben in ganz Grönland nur 58.000 Menschen! Es werden viele neue Wohnungen gebaut!

Vorne das alte koloniale Nuuk, dahinter die neuen Wohnblocks, die bei den jungen Leuten sehr beliebt sind... (Foto: Renate Kostrzewa)

      

Die "Meeresmutter" der Inuit, eine berühmte Granitskulptur der Künstlerin Aka Høegh.

    

Das "alte" Nuuk - die berühmten Mumien von der Nuusuaq Halbinsel bei Uummannaq. Die Mumien im Nationalmuseum sind ca. 500 Jahre alt. Gemeinsame Botschaft von Island und Kanada.

 

Deutlich verspätet geht es dann gegen 19:00 "Leinen los", nur unsere innere Uhr tickt 4 h später und so kommen wir erst um gefühlt 2:00 morgens ins Bett. Gegen 23:00 meldet der Kapitän Polarlichter auf Steuerbord. Ich baue die Kamera auf und mache mit meiner Standardeinstellung einige Aufnahmen, aber das Schiff rollt leicht, wie man an den Sternenspuren sehen kann...

 

 

   

Nachts um 23:15 meldet der Kapitän Polarlichter auf Steuerbord... ich werde aus meiner ersten Tiefschlafphase gerissen :-)

 

Do. 10.9.:  Morgens haben wir noch einige Briefings. Ab 11:30 liegen wir vor Qeqertarsuatsiaat, wo wir nachmittags in vier Gruppen zu je dreißig eine geführte Exkursion machen werden. Wir entscheiden uns für den Rundgang durchs Dorf. Um 15:30 geht es los mit der ersten trockenen Zodiacanlandung am Pier. So reichen die leichte Regenhose und Wanderschuhe voll aus.

  

Wir landen an der Jetty, unsere Ärztin Marion Guillemoto im blauen Anorak ist immer dabei.

 

Unser Führer aus dem Dorf spricht englisch, die Dorfbewohner nicht. Ich frage jedesmal, ob ich die Leute fotografieren darf, manche winken ab, was unbedingt zu respektieren ist. Eine Gruppe Kinder beim Trampolin bittet fotografiert zu werden, wir tauschen die E-Mail aus, damit ich die Fotos später schicken kann. Das mache ich immer so und habe gute Erfahrungen damit gemacht...

   

  

Mit den Kindern ist der Kontakt immer am einfachsten - sie sind neugierig und bitten um ein Gruppenfoto. Trampolinspringen ist sehr beliebt.

   

Durch die schrumpfende Bevölkerung in den einsamen Dörfern stehen viele Häuser leer, andere sind bewohnt und sehr ordentlich gehalten, was nicht in allen Gemeinden der Fall ist.

 

Renate hat zu Hause schon vorgearbeitet: Qeqertarsuatsiaat liegt auf einer Insel (158 EW 2026). Der Fjord ist ganzjährig befahrbar:

Anfang des 19. Jh. lebten die Menschen von der Seehundjagd, später dominierte der Fischfang, wobei vor allem Kabeljau zu Klipp- und Stockfisch verarbeitet wurde. In den 1920er Jahren begann ein jahrzehntelanger Dorschboom in SW-GL, der bis in die 1980er Jahre anhielt. 1925 bewilligte man Fischern aus Färöer hier im Fjord zu fischen. 1952 wurden 9.167 kg Fisch pro Jäger gefangen. Heute noch ist die Fischerei die wichtigste Einkommensquelle. Seit dem Niedergang der Dorschvorkommen werden heute in der Fischfabrik auch Seehasen (Lumpfisch) und Garnelen verarbeitet. Bedeutend ist immer noch die Robbenjagd. Ein Rentierjäger zeigt uns stolz seine Ergebnisse.

   

     

Rentierfleisch ist sehr lecker und es wird alles verwendet. Aus den Geweihen werden Figuren geschnitzt, Das Fell ist warm für Kleidung, Der Körper ohne Extremitäten wird getrocknet. Die Hinterschenkel geben einen perfekten Weihnachtsbraten, wie im Bild oben links von Renate zu sehen.

       

Am Kiosk 88 bekommen wir von Unu in Nationaltracht Kaffee und selbstgebackenen Kuchen. (Foto links von Renate)

    

Die "evangelische" Kirche, ein wichtiger Platz im Dorf.

Nach der Kolonialzeit, in den 1950er (179 EW) und in den 1960er Jahren wuchs die Einwohnerzahl aufgrund der grönländischen Zentralisierungspolitik stark an, da die Bewohner der umliegenden Siedlungen hier herziehen mussten. 1970 schon 336 EW. 1952 wurde eine Telestation errichtet. 1953 baute man eine Fischfabrik, die 1959 ausgebaut und 1965 privatisiert wurde. 1957 wurde eine Hebammenwohnung errichtet, 1963 eine Krankenstation. Beides ist heute nicht mehr mit Personal besetzt. In der alten Kirche, die seit dem Bau der neuen Kirche als Versammlungshaus genutzt wurde, wurde ein Kindergarten eingerichtet. 1962 wurde eine Feuerwehrstation errichtet und 1964 eine Werkstatt. 1966 wurde die Schule ausgebaut (1968 von 81 Schülern besucht). 1967 ist ein Fußballplatz angelegt worden. Seit den 1980/90ern ist die EW Zahl wieder abnehmend, die Jungen ziehen heute lieber nach Nuuk.

   

Alle strahlen um die Wette, unser Guide mit dem für uns unaussprechlichen Namen und auch die Bewohner, viele fahren mit dem Roller über die gut gepflasterten Straßen.

Wir hatten hier bei tollem Sommerwetter (+8°C) eine hervorragende erste Exkursion in einem für uns neuen Dorf !

 

Fr. 11.9.: Seetag, wir wollen rüber nach Iqaluit, der Hauptstadt von Nunavut, doch morgens um 6:00 früh sehe ich Land, was wie der Nuuk Fjord ausschaut und dem ist auch so. Über Nacht hat es einen medizinischen Notfall gegeben und ein Besatzungsmitglied mußte schnell nach Nuuk zurück, um ins Krankenhaus spediert zu werden. So verlieren wir eine Nacht der Überfahrt und kommen erst Morgen Nachmittag zum Einklarieren nach Nunavut/Kanada auf die Südspitze der Baffin Insel.

Diesmal sind die Hausberge von Nuuk wolkenfrei.

      

Nachts gegen 1:00 haben wir schwache Polarlichter mit deutlichem Rot-Anteil. Wir frieren eine halbe Stunde lang dafür auf unserem Balkon.

Heute ist ein kompletter Seetag, wir hören zwei Vorträge zu Grönland und der Physik von Meer- und Gletschereis. Ich nutze die Zeit, um meinen Blog von gestern fortzusetzen, Bilder zu entwickeln und des Nachts noch Polarlichter zu fotografieren...

 

Sa. 12.9.: Wir erreichen morgens die Frobisher Bay (Länge 230km, Breite 20-40km) und pünktlich um 7:00 ruft der Kapitän zwei Grönlandwale (Bow-headed Whales) links und rechts vom Bug aus. Trotz der vielen West-Grönlandreisen ist das unsere erste Begegnung mit dieser von den Walfängern fast ausgerotteten Art. Wir sind sehr froh über diese Beobachtung. Ich mache Fotos mit 500mm und mit 700mm (mit Konverter). Das Nikon 500PF an der D780 liefert sehr scharfe Bilder, die sich noch leicht um 50%  nachvergrößern lassen:

   

Charakteristisch für Grönlandwale ist die doppelte Fontäne, der große Kopf, keine Rückenfinne und die farblich zweigeteilte Fluke. Zwischen 7 und 8:00 stehe ich frierend im eiskalten Wind...

Wir kommen tief in die Frobisher Bay auf unserem Weg nach Iqaluit und passieren gegen 14:00 die Enge zwischen den Inseln Resor und Pike. Dort ist das Meer ganz ruhig, wir sehen einige Robben. An den Strömungswirbeln kann man aber sehen, daß wir gegen den hier ziemlich starken Labradorstrom anfahren.

   

   

Hier an der Meerenge zwischen beiden Inseln pfeift ein eiskalter Wind, so gehen wir für die Fotos raus und bleiben überwiegend im Warmen.

Zur Kaffeezeit kommen dann die Grenzer an Bord, um uns für Kanada einzuklarieren. Aufgrund der "verlorenen" Zeit können wir keine Exkursion nach Iqaluit machen, aber das macht nichts, diese 7.500 EW Stadt ist gebaut wie viele andere, die wir auf Baffin Island besucht haben, nur größer.

Iqaluit: auch hier mischt sich wenig Altes mit vielen modernen Zweckbauten.

Des Abends haben wir noch tolles Abendrot und später noch gut vor Mitternacht wieder gute Polarlichter:

    

 

So. 13.9.: Wir fahren über Nacht zum Grinnell Gletscher und hatten eine Anlandung und eine Zodiactour zur Gletscherzunge geplant. Okay der Plan war gut, aber an der Landestelle wartete ein Eisbär auf uns: noch besser Zodiactour zum Eisbärgucken. Und das klappte auch ganz prima:

       

Ross fährt uns im Zodiac zum Bären, rechts im Hintergrund eine der rückläufigen Zungen des Grinnell Gletschers.

  

  

Der Eisbär wartet auf das Eis, bald fängt das Meer an zu frieren, dann kann er wieder Robben jagen, jetzt ist er ausgehungert und frist sogar Gras. Besser als nichts. Achim am Tele.

   

Die zweite Tour (ZC) um 10:30 geht zu einer Gletscherzunge, die so gerade noch bis ans Meer reicht. Von der Seitenmoräne ist viel Bruchmaterial auf den Gletscher gefallen, so bildet sich Toteis.

 

Wir müssen so früh um 7:00 beginnen mit den französisch Sprechenden, um 8:00 wir mit den Zodiacs, weil ab mittags ein ziemlicher Sturm mit heftigem Regen aufkommen wird, der uns noch bis Mitternacht begleiten soll. Wenn wir beide Exkursionen fahren wollen, gibt es keine Alternative dazu. Wir sind ja nicht des Komfort wegen hier, sondern um was zu sehen! Unser Zodiac ist um 11:35 das letzte was reinkommt und wir wurden schon ziemlich durchgeschüttelt von Wind und Wellen. Morgen sind wir die ersten draußen, es geht immer reihum mit den vier Gruppen.

Mo. 14.9.: Akpatok - ist eine kleine Insel (903 km², 48 km lang, 26 km breit) in der Ungava Bay vor Labradors Nordküste. Die Küste ist geprägt von 40- 250 m hohen Kalksteinklippen, die zu einem 45 × 23 km großen Plateau führen (Quelle: Renate K.). Hier liegt ein sehr wichtiges Vogelbrutgebiet: Wander- und Gerfalke, Gryllteiste, beide Lummenspezies brüten in den Klippen. Außerdem leben hier Walrosse und Eisbären. Wir machen als erste Gruppe eine Zodiac Tour um 8:30 - 9:50, Wetter ist prima, aber mit 20 Knoten (x 1,8 = km/h) ziemlich windig. Erst im Windschatten der Klippen wird es ruhiger. Nachdem es am Vorabend und nachts heftig geregnet und gestürmt hat, ist das Wetter jetzt prima für unsere erste Zodiacexkursion.

 

      

Der  Eisbär kuschelt sich an der oberen Kante des Schotterhangs ins Gras und wartet auf das Zufrieren des Meeres....

  

Wir haben zwar eine deutliche Dünung, aber wir bleiben trocken und können gut die Natur beobachten. Ross Howatson fährt unser Zodiac. Hier brüten im Frühsommer hunderttausende Seevögel, die meisten davon sind Dickschnabellummen.

Nachmittags haben wir dann eine ruhige Fahrt durch die Ungaya Bay, besuchen die Brücke und treffen auf einzelne große Eisberge:

 

Di. 15.9.: Wir fahren früh um 6:00 in den Nachvak Fjord ein, der zum Torngat Mountain Nationalpark gehört. Wir dürfen dort nicht anlanden, wohl aber eine ausgedehnte Zodiac Tour unternehmen. Wir waren schon am Vorabend gewarnt, daß ab 11:00 der Wind zunehmen würde und Zodiac fahren dann bei 6-7 Windstärken zu naß & gefährlich wäre. Zwischendurch treffen wir auf einen schlafenden Eisbären, der in der Vegetation pennt. Auch noch auf zwei Schwarzbären, alles sehr weit weg, auch im Fernglas, nichts zum Fotografieren. Die Zeit läuft ab. Der Wind frischt immer weiter auf und die vier Zodiactouren müssen abgesagt werden. So fahren wir den Fjord mit dem Schiff entlang. Wir sitzen gut und warm eingepackt auf dem Balkon und genießen die Fahrt durch den Nachvak Fjord. Renate hat die Fakten dazu:

Der Nachvak Fjord ist 44 km lang und 2,5 km breit und liegt im Torngat Mountains NP (längster Fjord in Labrador, W-E gerichtet mit steilen Felswänden). Südlich des Nachvak Fjords erhebt sich der 1.652 m hohe Mount Caubvick. Nach Westen spaltet sich der Fjord in den 10,5 km lange Tallek Arm ab und den 13,2 km lange Tasiuyak Arm. Zuflüsse des Nachvak Fjords sind Nachvak River und Palmer River. Wir befinden uns hier in der tiergeografischen Übergangszone vom Eisbär zum Braun- und Schwarzbär.

Der Torngat Mountains NP wurde kürzlich berühmt: hier haben sich Gesteine aus der frühesten Anfangszeit der Erde erthalten. Die dunklen, bizarr verformten Schichten sind rund 4,16 Milliarden Jahre alt und stammen aus dem Hadaikum, dem frühesten Erdzeitalter. https://www.spektrum.de/news/aeltestes-gestein-stammt-aus-der-fruehzeit-der-erde/2273776

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Morgens gegen 6:00 passieren wir die Einfahrt in den Nachvak Fjord. Da wir auf Steuerbord die Kabine haben, bekommen wir Sonnenschein die ganze Fahrt über und können die Landschaft vom Balkon aus genießen, ohne den ganzen Kamerakram durch Schiff schleppen zu müssen.

  

Je tiefer wir in den Fjord fahren, je schlechter wird das Wetter - wie vorhergesagt bei windy.com - erst nachdem wir am Fjordende (links) umgedreht haben, wird es wieder besser.

Für den Nachmittag bietet die Expeditionsleiterin Fanny und der Kapitän eine Zodiactour weiter im Süden an, im Saglek Fjord, der am Rand des Nationalparks liegt. Hier sind die Windbedingungen noch etwas besser, aber wir werden ganz schön naß gespritzt. Die Ponant Parkas sind dicht, unsere Helly Hansen Zodiac Hosen sowieso und mein Wetter erprobter Lowe Bumbag auch noch nach 20 Jahren Nutzung bei guter Pflege mit Zelt- und Silikonspray vor jeder Reise. So bleibt meine Zodiac-Foto-Grundausrüstung mit D 750 + 4/24-120 Zoom immer schön trocken. Die Felsformationen wie geschieferter Gneis und Lava Extrusionen an den Küsten sind interessant, Vögel sind auch hier leider keine mehr da, denn die Brutsaison ist vorbei.

  

Wir haben mal wieder einen Schwarzbären oben links in der Mitte der Tundra. Unser Boot ist ziemlich international: links zwei Schweitzer, die Swyzerdütsch miteinander sprechen, Renate aus Deutschland, eine Dame aus Italien, Patton Small, unser Chauffeur aus Texas und auf meiner Seite noch drei Australier...  Patton ist der Sohn zweier Universitätsprofessoren und Feldgeologen und hat große Teile seiner Kindheit in Zeltlagern verbracht, wo seine Eltern gerade Feldstudien betrieben. Er hat Gesteinskunde und Geomorphologie quasi ohne Studium mit der Muttermilch aufgenommen und ist sehr kenntnisreich. selber hat er Kunst und Theaterwissenschaften studiert und leitet zu Hause eine Theatergruppe.

     

Ein bißchen Geologie: wir haben hier deutlich schwarzes Gestein, das als Magma Intrusion von unten ins umliegende Gneis Gestein durch einen Spalt eingedrungen ist. Wenn es die Oberfläche erreicht hätte, wäre es eine Lava Extrusion. Das kann man so jetzt ohne Untersuchung nicht entscheiden, da das Material über einer Magma Intrusion ja auch wegerodiert sein kann... Wir haben jedenfalls deutliche Lavagänge (dykes) vor Augen.

  

Das übrige Gestein ist meist Gneis: die grobe Schieferung (Gneissic Banding) ist hier charakteristisch. Siehe auch weiter unten bei Trinity, da konnte ich die typischen Formationen besser ins Bild setzen. Renate: Achim macht die meisten Fotos, wir liegen mit unserer Lyrial mitten im Fjord.

 

Mi. 16.9.:  Nain (1.125 EW, meist Inuit) liegt ziemlich in der Mitte der Ostküste von Labrador. Nain ist die nördlichste permanente Siedlung in Labrador. Es gibt einen kleinen Flugplatz.

Zwischen Mitte Juni und Mitte November gibt es eine Fährverbindung von Goose Bay entlang der Labradorküste bis nach Nain. Der Ort wurde 1771 als eine Mission der deutschen Herrnhuter gegründet. 1959 wurde die weiter nördlich gelegene Mission Hebron aufgelöst und die dortige Inuit-Bevölkerung nach Nain zwangsumgesiedelt.

  

    

Die Pfarrerin betet vor und erklärt uns die Herrenhuter Vergangenheit. Die Kirche stammt von 1771 und kam als Bausatz mit den Herrenhutern, sie ist 1920 abgebrannt und es wurde der gleiche Bausatz wieder aufgebaut, der viele Jahre im Dorf gelagert war. Die Leute sind sehr freundlich und offen. Die meisten stimmen, zu fotografiert zu werden, wenn sie meine große Kamera scheuen, Renates Smartphone geht fast immer...

 

Wir landen mit den Zodiacs trocken am Pier und besuchen zunächst die Kirche, wo wir über die Geschichte des Ortes und den gravierenden Einfluß der Herrenhuter (Moravian Church)informiert wurden. Für mich am interessantesten ist der "Art Shop" mit seiner Werkstatt.

   

   

Der Shop ist Werkstatt und Verkauf zugleich und nennt sich "Art Studio". Es wird alles angeboten von Schmuck bis hin zu geschliffenen Steinen, die unseren Kapitän sehr interessieren.

 

Sonst gibt es noch ein Gemeindezentrum, das Verwaltungsgebäude der Bezirksregierung, das Krankenhaus ohne Arzt, aber mit sieben Schwestern, zwei Supermärkte und eine Schule mit mehreren Zügen. Den Abschluß unseres geführten Rundgangs bildet die Aula der Schule, wo wir "Throat singing" und verschiedene Inuit Sportarten vorgeführt bekommen. Die Jungendlichen und wir haben viel Spaß...

   

   

Supermarkt und Kunden auf dem Quad. In der Schule "Throat Singers" mit uns merkwürdig vorkommendem Kehlkopfgesang.

   

Die Schüler führen uns eine Art Kasachok und den Robbenlauf vor. Die Mädchen tun ihnen fast gleich, kommen aber nicht nahe genug an meinen Platz in der Halle.

 

Das Klima wird vom kalten Labradorstrom bestimmt. Nain liegt am Nordrand der kalt gemäßigten Zone. Der Ort liegt daher an der arktischen Waldgrenze, also dort, wo die Taiga mit ihren Nadel- und Birkenwäldern in die "baumlose" Tundra übergeht. In den Sommermonaten Juli und August liegen die Durchschnittstemperaturen bei 10 °C, in den Wintermonaten Januar und Februar oft bei −18 °C, aber Temperaturen von - 30°C sind keine Seltenheit. Es fällt viel Schnee. Der Fjord ist von Dezember bis Mai zugefroren. (schreibt Renate K.)

Hier sieht man schön der Übergang von Tundra mit niedrigen Weiden- und Birkenbüschen zur Taiga mit Nadelwald.

   

Abends kündigt sich das schlechte Wetter für Morgen mit leichtem Regen und mehr Wind an: Wir bekommen einen tollen doppelten Regenbogen! Über Nacht soll der Wind auf 30 Knoten steigen.

 

Do. 17.9.:  Rigolet

   

Morgens Richtung Rigolet kommen wir an schönen Taiga-Wäldern vorbei.

 

Vormittags - Angelique hält einen tollen Vortrag über "die unrühmliche Geschichte des Walfangs", illustriert mit den neuesten verfügbaren Zahlen:

    

 

    

Es beginnt  auf der Nordhalbkugel schon im 18.Jh. Damals war es das Lampenöl, was aus dem Walblubber herausgekocht wurde bis hin zur Nachkriegszeit vom WWII, wo in großen Stil Margarine daraus hergestellt wurde (Unilever Konzern). In den 1970er Jahren begann der Walschutz sich langsam durchzusetzen, aber es werden immer noch von einigen Ländern, allen voran Japan, Norwegen, Island aber auch noch Russland und China Wale gejagt, man beachtet die Gesetzgebung einfach nicht. Angelique selbst tauchte schon mit Walen, daher ist ihr engagierter Vortrag mehr als verständlich (Fotos & Grafik Angelique Mordant).

 

Nachmittags - Rigolet, Renate fasste zusammen: Das Dorf (320 EW) am Hamilton Inlet, wurde 1735 vom französisch-kanadischen Händler Louis Fornel gegründet. Der Ort ist die südlichste offiziell anerkannte Inuit-Gemeinschaft der Welt. Etwa 5% der Rigolet-Bevölkerung sind keine Inuit. Im Winter ist das Inlet nicht komplett zugefroren. Die Hudson´s Bay Company gründete hier 1836 einen Handelsposten. Er bestand bis 1987, dann wurde die Company von der North West Company gekauft und in "Northern Store" umbenannt. Das Dorf ist von Nadelbäumen der Taiga umgeben.

   

Nach der Landung werden wir von einem freundlichen Mountie empfangen.

 

    

Im Net Loft Museum werden wir von diesem Fotografen empfangen, der durch die Dörfer reist und die Einwohner portraitiert.

  

   

Das Gebäude ist eine Replika des ehemals abgebrannten Wohnhauses. Drinnen empfangen uns die beiden Damen mit Kaffee und Kuchen.

       

Zum Abschluß gibt es Polka in der Tradition der Walfänger. Das gibt es in Grönland genauso. Mitte: unsere EL Fanny schwingt das Tanzbein...

Beim Weiterreisen treffen wir noch auf einen Buckelwal:

  

 

 

Loxi Abbott Show abends im Theater, super!

       

   

Unsere Cruise Director Luana Silva de Olivera stellt sie vor: Dieser erst 23-jährigen Sängerin aus UK möchten wir eine große Kariere im Soul wünschen. Sie kann viele Stile von Etta James über Alannah Myles (Black Velvet) bis hin zu Ellas "Something" oder wie sie selbst sagt: Amy Winehouse, die sie als Jugendliche sehr beeindruckt hat. Sie kann singen, laut wie sehr leise und gefühlvoll... Renate & ich haben diese Stunde Konzert sehr genossen !

 

 

Fr. 18.9.: Wir tauschen Red Bay gegen Anse, weil wir Morgen vor allem morgens deutlich mehr Wind erwarten! Beide Ziele liegen gegenüber und nahe beieinander.

Das Tolle an l´Anse aux Meadows ist, daß der archäologische Platz neu aufgebaut wurde. Da hat man eine gute Vorstellung davon, wie die Leute dort gelebt haben. Viel besser, als wenn man nur Grundmauern oder Grundrisse sehen würde: so wird die Archäologie lebendig!

 

L'Anse aux Meadows (Renate): ist eine archäologische Fundstätte an der Nordspitze Neufundlands (7.991 ha Fläche). Seit 1978 auf der UNESCO Weltkulturerbeliste. Sie ist die einzige sicher nachgewiesene isländisch-grönländische Siedlung in Nordamerika und der früheste Beweis für eine europäische Besiedlung in der Neuen Welt. Sie bestand ab 1021 nur für wenige Jahre (10-20?). Die Bevölkerung wird auf 60-90 Personen geschätzt. 1961 entdeckt, bewies die Fundstätte, dass die isländischen Vinland Sagas um den Wikinger Leif Eriksson  auf historische Ereignisse zurückgehen und die Wikinger tatsächlich bereits im 11. Jh. Nordamerika erreichten, lange vor Columbus.

Ausgrabungen - Die Siedlung an der Epaves Bay wurde ab 1961 von Helge Ingstad und seiner Frau Anne Stine, einer Archäologin, ausgegraben. Sie bestand aus elf Häusern und einer Schmiede, in der Raseneisenstein verarbeitet wurde, das kanadische Ureinwohner nicht kannten. Der Baustil der Häuser (Grassodenhaus) entsprach dem der Isländer und Grönländer. Ein Rundhaus wird als Wohnstätte für Sklaven gedeutet. Eine 2021 in Nature veröffentlichte Arbeit stellt fest, dass einige der in L’Anse aux Meadows durch die Skandinavier verbauten Bäume im Jahr 1021 gefällt worden waren. Diese präzise Datierung wurde durch die Kombination der C-14 Methode mit den dendrochronologischen Auswertungen und der Berücksichtigung von Schwankungen der kosmischen Strahlung in den Jahren zuvor erreicht. Zwei Häuser wurden nachgebaut und sind heute eine Touristenattraktion:

   

     

Das Museum ist ein absolut beeindruckender Platz, innen wie außen.

  

       

   

Die Häuser, Werkstätten und die Schiffshalle in Norstead ist ein zweites Highlight. L´Anse aux Meadows hat sich zu 100% gelohnt. Renate hatte es in den 10ner Jahren zweimal versucht und war jeweils am Wetter gescheitert.

Norstead liegt etwa zwei Kilometer von der UNESCO-Welterbestätte L’Anse aux Meadows entfernt, der einzigen nachweislich authentischen Wikingerstätte in Nordamerika, und bildet einen Wikinger-Handelshafen nach, wie er während der Wikingerzeit (790–1066 n. Chr.) ausgesehen haben könnte. Auf dem vier Hektar großen Gelände befindet sich ein Bootshaus mit eigenen Wikingerschiffen, darunter die 54 Fuß lange Nachbildung eines Wikinger-Knarrs, der 1998 mit einer Besatzung von nur neun Männern von Grönland nach L’Anse aux Meadows segelte. Außerdem gibt es eine Häuptlingshalle, eine Kirche und eine Werkstatt, in denen kostümierte Darsteller die Stätte zum Leben erwecken. Alle Gebäude, die aus holzgetäfelten Wänden und Lehmböden bestehen, wurden so gestaltet, dass sie das Aussehen und die Atmosphäre der Wikingerzeit vermitteln. (www.norstead.ca)


Sa. 19.9.: Der Tausch war goldrichtig, denn wir müssen Red Bay um 10:30 wegen stark aufkommendem Wind abbrechen und erreichen gegen 11:15 wieder die Lyrial. Aber immerhin hatten wir fast zwei Stunden dort.

Red Bay ist eine Gemeinde in der kanadischen Provinz Neufundland und Labrador im Süden Labradors. Im Jahr 2013 wurde Red Bay in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen. Die Einwohnerzahl betrug im Jahr 2016: 169.

   

    

Wegen des heftigen Sturms ist das draußen nur ein zweifelhaftes Vergnügen, aber es gibt zwei Museen und eine Kirche, die man besuchen kann.

    

              

Walfängerboot, Skelett vom Grönlandwal, Vorderextremität, Barten werden bis 4 Meter lang, Harpunenspitze, Flenswerkzeug.

    

Vereinigte Kirche, innen sehr streng protestantisch

Etwa zwischen 1543 und dem frühen 17. Jahrhundert war Red Bay ein Zentrum baskischer Walfang-Aktivitäten. Aus den Gebieten Südfrankreichs und Nordspaniens wurden je Saison 15 Walfangschiffe mit etwa 600 Mann Besatzung nach Red Bay ausgesandt, die in der gefährlichen, weil nur zeitweise eisfreien Belle-Isle-Straße, Grönland- und Glattwale jagten, die zu jener Zeit in diesen Gewässern häufig waren. Damals galt Red Bay als „Welthauptstadt des Walfangs.“ Unklar ist, warum der Walfang in Red Bay zum Erliegen kam. Überwiegend wird angenommen, dass infolge übermäßiger Ausbeutung die Walbestände zusammenbrachen und der Ort dann aufgegeben wurde. Auch sperrte England 1579 seinen Markt für die Einfuhr spanischen Waltrans, so dass der baskische Walfang stark schrumpfte. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts ließen sich erneut kanadische Fischer in dem Ort nieder, zunächst saisonal, dann ständig (Quelle: Renates Recherchen).

        

Heute ist Red Bay auch mit dem Auto erreichbar, bleibt aber ein verschlafenes Fischerdorf. Gegenüber liegt Saddle Island.

 

Nachmittags auf dem Weg nach Twillingate steigt der Swell/die Dünung auf 5 Meter und der Wind auf 50 Knoten. Auf der allseits beliebten Beaufort Skala ist das Windstärke 10 = schwerer Sturm :-)

 

So. 20.9.: Morgens liegt der Swell immer noch bei 4-5 Metern, der Wind bei 35 Knoten, da haben wir keine Chance in Twillingate zu landen, weder mit den Tendern noch den Zodiacs... Also ist heute zunächst ein Seetag! Zeit für Vorträge, die Brücke, Gespräche u.v.a.m.

   

Hier entlang den Küsten Neufundlands gibt es wieder mehr Seevögel, besonders viele Eissturmvögel...

 

Doch es kommt anders, besser: Mittags erreichen wir die Bonavista Halbinsel und den Ort Trinity. Das Meer ist ruhig, die Bucht geschützt  und wir können um 14:30 und 15:00 in den Hafen tendern. Am 2. Tag nutzen wir für die verschiedenen Exkursionen die Zodiacs. Dort in Trinity werden wir freundlich empfangen und laufen durch den Ort, der sich gerade in der 2. Kreuzfahrtsaison befindet. Wir sind das 5. Schiff insgesamt.

    

     

     

Trinity ein gemütlicher Ort, der die gewaltige Umstellung von purer Fischerei auf Tourismus seit 1992 (Verbot der Kabeljau-Fischerei) unter vielen Mühen geschafft hat. Trinity ist über Land erreichbar und damit für die Autotouristen (vom Trans-Canada Highway "Route 1" biegen Sie bei Clarenville auf die Route 230 Nord, den Bonavista Peninsula Highway ab) , wie seit 2 Jahren auch für Kreuzfahrtschiffe...

Die Umstellung vom Kabeljaufang auf andere Verdienstmöglichkeiten wurde auch durch die Ölindustrie gefördert: Nach über 30 Jahren Exploration wurde 1997 mit der kommerziellen Förderung begonnen: Es dauerte aufgrund der extremen Wetterbedingungen (Eisberge und schwere Stürme) und politischer Verhandlungen bis zum 17. November 1997, bis aus der Hibernia-Plattform das erste kommerzielle Öl gefördert wurde. Seitdem wurde die Offshore-Förderung in der Region durch weitere Großprojekte wie Terra Nova (2002), White Rose (2005) und Hebron (2017) massiv ausgebaut. Das brachte endlich wieder hochbezahlte Arbeitsplätze 350 km draußen auf See...

 

Abends geht es auf der Lyrial mit Kaviar Häppchen, Abendessen und einem weiteren Auftritt von Loxi Abbott weiter.

Loxi Abbott zweiter, gefeierter Auftritt, in der Lounge auf Deck 3:

   

        

 

 

Mo. 21.9.: Morgens bleiben wir hier in Trinity und machen morgens früh mehrere Wanderrouten...

   

  

   

       

Morgens für die langsamen Wanderer ein kleiner Marsch in die Küstenumgebung, ich fotografiere die Herbstvegetation mit Preiselbeeren, Flechten, Löwenmäulchen, Lupinen. Wir finden neben einer Fischerhütte auch noch Kabeljau nach Art des Klippfisch getrocknet und gesalzen. Unsere Local Guide regt sich über das gezeigte Haus auf: Eine Familie, die schon in Florida und in Maine Häuser hat, hat dieses auf dem großen Grundstück für sage und schreibe eine 3/4 Mio. Can$ gekauft, das könne sich hier niemand mehr leisten...

und nachmittags Zodiactouren entlang der Klippen. Windy.com zeigt für den ganzen Tag wenig Wind, alles grün (= kaum Wind).

Die Zodiactour entlang der imposanten Klippe zeigt aus der Nähe sehr interessante Felsformationen aus Granit und überwiegend Gneis. Zum Abschluß der letzten Tour gibt es auch noch einen Schluck Schampus...

  

        

Durch die grobe Schieferung des Gneis (Gneissic Banding*) entstehen auch Klüfte, Höhlen und Felssäulen, die wir teilweise sogar durchfahren können, Ross kennt sich hier aus. *) Es trennen sich die Minerale unter extremem Druck und hohen Temperaturen in grobe, abwechselnd helle (felsische Minerale wie Feldspat und Quarz) und dunkle (mafische Minerale wie Biotit oder Hornblende) Lagen. Bekannt sind archaische Gneiskomplexe wie der Saglek-Block, den wir ja auch im Torngat Mountain National Park im Nachvak und Saglek Fjord gesehen haben.

 

Di. 22.9.: St.John's - Wir liegen im Hafen und machen von 9-12:20  eine Bustour: Signal Hill, dann zur Altstadt und zum Schluß zum Cape Spear, leider bei Nebel und Nieselregen.

St.John's vom Signal Hill aus. Das große weiß-graue Schiff etwa in Bildmitte ist die Lyrial.

   

Der Signal Hill liegt leider im Nebel...

  

        

Altstadt mit ihren bunten Häusern, leider regnet es immer noch...

       

Am Cape Spear regnet es auch und der Nebel ist dicht....       Man sieht aber immerhin den östlichsten Leuchtturm von Kanada !                                                

Abends gibts dann noch ne Show nach dem Gala Dinner:

   

Die Tänzer aus Kolumbien sind richtig gut !

 

Mi. 23.9.: Saint Pierre - Wir fahren um 9:05 mit dem 3.Bus zum kleinen Heimat-Museum und bekommen anschließend eine Stunde Vortrag zur wechselvollen Geschichte von Saint Pierre & Miquelon in einem Kinosaal. Ich hatte meine Kameras komplett weggepackt, Renate machte einige schöne Fotos mit ihrem Samsung Smartphone...

  

Ein paar Quadratkilometer Mini-Frankreich direkt vor Kanadas Küste, ein historischer Anachronismus, von Frankreich politisch heftig verteidigt...

 

Saint-Pierre et Miquelon ist ein französisches Überseegebiet. Die kleine Inselgruppe östlich der kanadischen Küste, etwa 25 Kilometer südlich von Neufundland, ist der letzte Teil der französischen Kolonie Neufrankreich, der noch zu Frankreich gehört. Saint-Pierre und Miquelon hat 5790 Einwohner (Stand 1. Januar 2022). Haupterwerbszweige der französisch sprechenden Bevölkerung sind Fischerei und Tourismus. Die Folge für uns ist: wir reisen von Kanada wieder nach Frankreich ein = Zoll- und Passkontrolle. Anschließend fliegen wir nach Montreal, was wieder Kanada ist, dazu brauchen wir die ETA und wieder Zoll- und Passkontrolle. Das dauert und nervt.

Dann geht's zum Flughafen, einchecken, die Ankunft der Maschine verzögert sich um 2h. Dann 2 h Flug und das endlose Einreiseprozedere in Montreal. Die Fluggäste werden nur schubweise überhaupt in die Einreisehalle gelassen. Um 8:00pm sind wir im Sheraton Airport Hotel. Hier in Montreal sind es aber wieder 2h früher, also erst 6:00pm. 

10 Sekunden nach dem letzten Sonnenuntergang auf der Lyrial...  mit 500m Tele

 

Do. 24.9.: Bis zum Abflug sind wir nach sehr gutem Frühstück bis mittags im Hotel und dann in der Air Canada Lounge, dachten wir. Die Lounge ist mittlerweile zu klein geworden, so daß man erst 3h vor Abflug reindarf. Wir müssen uns in ein Bistro zurückziehen, ärgerlich bei den Business Class Preisen. Montreal selber kennen wir bereits von früheren Reisen...  Abends fliegen wir über Nacht nach Paris. die Air Canada Business Class Sitze in der Boing 777 sind ziemlich eng und unbequem... im Vergleich zu Emirates oder Singapur Airlines.

Fr.25.9.: Morgens erreichen wir Paris, wieder mal langes Einreiseprocedere, der Parkplatzshuttle holt uns am Haupteingang T2A ab, wir bekommen unser Auto und fahren 460 km ruhig ohne Staus trotz Freitagsverkehr nach Hause. Kurz vor 4 Uhr sitzen wir mit frischen Cappuccino und Hörnchen auf der heimischen Terrasse bei 22°C in der Sonne... Drei Tage für die Heimreise sind schon heftig. Man hätte auch in Neufundland von St.John's direkt nach Paris fliegen können !

 

Fazit der Schiffsreise: Ganz prima, das Wetter, die Expeditionen und Exkursionen, das Expeditionsteam, die Vorträge, die wir besucht haben, das Essen (ausgezeichnet, besser als auf der Charcot bei der Semi Hobart nach Kapstadt), die Shows, das Tanzpaar aus Kolumbien erste Sahne, ebenso Loxi Abbott. Nuuk hat sich seit unserem letzten Besuch vor 10 Jahren weiter vergroßstädtert mit neuem Flughafen, vielen neuen Hochhäusern, einem großen Gemeindezentrum. Qeqertarsuatsiaat ist neu für uns, Glück gehabt, denn es gibt kaum noch Orte, in denen wir in den letzten 25 Jahren nicht mindestens einmal waren. In der Frobisher Bay sehen wir endlich mal zwei Grönlandwale, da hatten wir bisher immer Pech. Am Grinnell Gletscher haben wir einen prima Eisbären, der unsere Landestelle besetzt hält. Gibt sehr schöne Fotos! Die Labradorküste ist landschaftlich sehr schön und bis Nain auch kaum bevölkert, herrliche Tundra. Besonders interessant ist der geschieferte Saglek Gneis,den wir an verschiedenen Küstenabschnitten gesehen haben. Ab Nain werden die Orte mehr und größer. Auf Neufundland beeindruckten uns L´Anse aux Meadows und Norstaed mit seiner Bootshalle ganz besonders, durch die realistischen Nachbauten der Wikinger Besiedlung. Auch die Leute, die dort arbeiten in handgefertigter, authentischer Kleidung, die alten Handwerke vorführen, machen das Ganze sehr lebendig. Anders Red Bay, wo vom früheren Walfang der Basken nur noch kleine Museumsstücke zeugen. Bis einschließlich Trinity haben wir meist gutes Wetter, aber oft viel Wind. Einzig Twillingate fällt der fünf Meter hohen Dünung zum Opfer: wir können weder in die Zodiacs noch in den Tender einsteigen. Zum Ende der Reise ziehen Regen und Nebel auf, somit hatten wir mit dem Wetter viel Glück. Im französischen Saint Pierre scheint wieder die Sonne!

An- und Abreise: Rheinland-Paris-Nuuk, können so bleiben, wenn wir Mitte April auf die Charcot gehen. Die Rückreise dagegen war echt anstrengend. Von Saint Pierre nach Montreal zu fliegen wäre gar nicht nötig gewesen, wir hätten schon von St.John's direkt nach Paris fliegen können und so mehr als einen Abreisetag gespart. Die dauernden Pass- und Zollkontrollen in Saint Pierre und Montreal wären weggefallen... Da werden wir demnächst mehr drauf achten! Man wird ja nicht jünger...

 

Disclaimer: wir haben die Reise, über die ich hier berichte, wie immer bei Polaris-Tours gebucht, selbst bezahlt und sind nicht von Ponant gesponsert.

Text & 195 Fotos © Achim Kostrzewa, mit Beiträgen und Fotos von Renate Kostrzewa, kein Nachdruck ohne Einwilligung des Autors erlaubt, Zuwiderhandlung wird verfolgt ... (in Arbeit seit 11.9., fertig am 28.9.2026)