Zeppelin NT – das sanfte Gleiten

 

Zeppelin kurz nach dem Start: leichter als Luft, wird er von den drei Motoren sanft nach oben gezogen.       Foto © A.Kostrzewa

 

Schon vor Corona hatten wir die Tour mit dem Zeppelin von Friedrichshafen am Bodensee gebucht: auf der Schweizer Seite entlang der Alpen, einen einstündigen Rundflug. Wir wollten auch nach Bregenz zur Premiere des Rigoletto auf der Seebühne. Dies wurde im März abgesagt. Blieb also der Rest der Reise am Nordufer des Bodensees entlang zwischen Konstanz und Lindau übrig.

Historische Zeppeline sind uns auf unseren Nordlandreisen zum Beispiel auf Spitzbergen in Ny Alesund begegnet, hier in Form des alten Landemastes der „Norge“, mit dem Roald Amundson und  Umberto Nobilemit ihrer Crew möglicherweise schon  am 12. Mai 1926 den Nordpol überflogen hatten. Zwei Jahre später kam Amundsen bei einer Rettungsaktion am 18. Juni 1928 nahe der Bäreninsel mit seinem Flugboot ums Leben: er wollte Umberto Nobile retten, dessen Luftschiff „Italia auf einer Eisscholle abgestürzt war. Weitere Katastrophen wie in Lakehurst (USA) der Brand der „Hindenburg“, deren Wasserstoff sich entzündet hatte und die Fortschritte bei den Flugzeugen, setzten der Ära der Zeppeline als luxuriöse Passagiertransporter ein jähes Ende…

Heute baut nur noch Zeppelin NT Starrluftschiffe mit innerem Alu-Titan Gerippe und der nicht-brennbaren Heliumfüllung. Bis vor einiger Zeit hatte Goodyear sog. Blimps oder Prallluftschiffe für Amerika hergestellt, dies aber aufgegeben, da der Markt nur sehr klein war. Und nun haben sie drei Zeppeline in Friedrichhafen bestellt und schon geliefert bekommen. 18 Millionen kostet einer, je nach Ausführung auch mehr, dazu gehört immer ein FAUN Mastwagen für den Landeplatz. Die Heliumfüllung allein ist schon 1 Mio. wert. Klar, warum Helium ein "Edelgas" ist.

 

     

Vorn in der Kabine ist viel Platz für die Passagiere.  Der Pilot verfügt über ein hochmodernes Cockpit.  Die Stewardess bedient während Start und Landung den Funk zum Tower.   Fotos © A.& R.Kostrzewa

 

Doch genug von der Technik, die mich schon als Kind faszinierte! Die Kabine reicht für 16 Personen mit Fensterplätzen in normalen Zeiten, bei Corona waren es nur 12 und wir mußten leider während des gesamten Fluges sitzen bleiben. Das war in unserem Fall nicht schlimm, wir hatten die besten Plätze vorne hinter der Pilotenkanzel. Bei mir vorne rechts gab es eine große Tür mit offenem Fenster, aus der man auch mit dem Fallschirm abspringen kann.

 

Wie meine Modellbahn von früher: Faller Häuschen, Wiking Autos, Märklin Eisenbahn alles im Maßstab H0 (=1:87). So wirkt es zunächst. Unten: Über dem NSG Eriskircher Ried.      Foto © A.Kostrzewa

 

Die Regelflughöhe bei den Passagierflügen beträgt 300 Meter, die Geschwindigkeit über Grund liegt bei 60-70 km/h. Man hört die weit hinten liegenden Motoren kaum, wunderbar. Die Landschaft liegt wie Spielzeug unter einem – man gleitet nur so dahin. ABER: eindeutiger Star ist nicht die Landschaft, sondern der Zeppelin NT (NT= neue Technologie).

 

Unser eigener Schatten über der Schweiz...

...über der Schweiz

...wieder am deutschen Ufer.           Fotos © A.Kostrzewa

 

Die Flugstunde bei schönstem Wetter ist doch all zu schnell vorbei! Man dürstet nach mehr. Aber wir hatten großes Glück, alles klappte Termin gerecht gleich beim ersten Mal. Einige unserer Mitreisenden brauchten für einen Flug drei Anläufe. Ausfälle und Verschieben wegen Wind und Wetter sind die Regel. Die Start- und Landeprozedur ist so wie früher: es gibt einen Ankerturm, an dem der Zepp mit seiner Nase in einem Fangtrichter einrastet und sich dann im Wind frei um diesen Mast drehen kann.

 

Blick vom Besucherbistro auf die Anlage.

Bitte schnell, einsteigen!

Kein Wind, der Zepp ist gut austariert: ein Mann hält die Nase am Boden.

Des nachts geht es in die Halle. Davor parken zwei Mastwagen.  Fotos © A.Kostrzewa

 

Für die Passagierwechsel würde das Ankern zu lange dauern. Vier Mann halten die Taue, während wir ein- und aussteigen. Je zwei Paxe steigen aus und zwei dafür ein, damit das Gewicht in etwa gleich bleibt. Es wird entweder vorn oder hinten angefangen. Wir hatten Glück, standen als erste in der Reihe und durften ganz nach vorn! Das ganze Procedere ist gut eingeübt mit klaren Kommandos von den Bodenstewardessen und dauert etwa 5 Minuten. Dann Tür zu und ab die Post. Der Start hat etwas Hubschrauber ähnliches: es ging erst leicht nach hinten oben, bevor es steil noch vorne hoch, wie in einem Aufzug in die Höhe geht. Der Zeppelin bleibt dabei in etwa in der Horizontalen. Wir hatten kaum Wind und der Flug war total ruhig.

Fazit: Machen wir garantiert nochmal, vielleicht wenn der Zeppelin zu uns ins Rheinland kommt. Standort ist dann der Sportflughafen Hangelar bei Bonn.

Text und Fotos © A.Kostrzewa (13.11.20)