Westliche Bretagne im Juni (4.-28.6.) mit dem Auto
Wir fahren am 1. Tag 510 km bis
nach Rouen und übernachten da zweimal, um Zeit zu haben dieses alte Städtchen
mit seiner berühmten Kathedrale und den Fachwerkhäusern anzuschauen.

In Rouen, was finden
wir als erstes? Eisbärchen! Und natürlich die typischen Fachwerkhäuser. Vor der
großen Kathedrale ein bretonischer Straßenmusiker (erkennt man eindeutig am
Dialekt) und die gigantische Kathedrale mit ihren sieben Türmen. Alle Fotos
©
AK mit Fuji X-E2s + X-E3, sowie XF 14,18, 27, 50mm
und 55-200mm Zoom.
Dann geht es weitere 515 km bis
nach Plourazel (25 km westlich von Brest), wo Renate uns für drei Wochen
(Sa.-Sa.) ein schönes Häuschen mit Meerblick gemietet hat.

6.6. abends auf der
Terrasse gegen 22:15
"Tief im Westen, wo die Sonne
versinkt, ist es besser als man glaubt..." (frei nach Herbert Grönemeyer).
Und zu dem "Westen" fällt mir noch ein Witz ein, den mir mal ein Kollege aus
Leipzig vor Jahren kurz nach der Wende erzählte:
Staatsratsvorsitzender Honnecker
hatte sein Arbeitszimmer nach Osten (Moskau) orientiert. Morgens stand er am
Fenster und begrüßte die Sonne: "Guten Morgen liebe Sonne...". Die Sonne
antwortete: "Schönen guten Morgen Herr Vorsitzender..." Honnecker besuchte
Berlin und war im Gästehaus der Bundesrepublik in einem westlich orientierten
Zimmer untergebracht. Er tritt abends auf seinen Balkon: "Guten Abend liebe
Sonne..." Die Sonne: "Leck mich im Arsch, ich bin jetzt im Westen..."

Der Küstenwanderweg,
wunderbar, hier am Pointe de Corsen, dem westlichsten Punkt Frankreichs mit
Blick nach Norden.
Eine Reise durch Penn-ar-Bed (die bretonische
Bezeichnung für Finistère, was ja so viel bedeutet wie „Ende der Welt“).
Wir wohnen hier genau im Zentrum der
damalig größten Öltankerkatastrophe in Frankreich:
"Die Amoco Cadiz war ein
Öltanker der US-amerikanischen
Amoco Oil Corporation. Unter
liberianischer Flagge fahrend kollidierte sie am 16. März 1978 mit einem
Felsen an der Küste der
Bretagne und zerbrach in drei Teile, was zum sechstgrößten
Ölunfall der Geschichte führte. Die Ladung von 223.000 Tonnen Rohöl sowie
der
Bunker-C-Treibstoff gelangten ins Meer."(WIKI)
Seitdem ist es Handelsschiffen - vor allem Tankern - verboten nahe der Küste zu
fahren, die mit vielen Inseln und Untiefen gespickt ist. Die Bretonen hatten auf
Jahre ihre Haupterwerbsquelle, den Fischfang, verloren. Heute ist der Tourismus
die Haupteinnahmequelle. Als wir im Mai 25 mit der Bellot die Westspitze der
Bretagne umrundeten, waren wir so weit draußen, dass die Küste außer Sicht
war...

Unser Häuschen liegt
etwa 4,5 km links von Lampaul-Plourazel mit direktem Blick auf die Inselgruppe
der Ponant-Inseln am Horizont. Hier dürfen keine Handelschiffe mehr abkürzen,
sondern müssen weit draußen die Untiefen und Inselchen umfahren. Bei der Amoco
Cadiz war durch einen Hydraulikschaden die Ruderanlage ausgefallen, statt einen
Schlepper zu ordern, wurde mit Bordmitteln verucht zu reparieren, was den
Schaden nur noch vergrößerte... Heute sind 35 km Sicherheitsabstand
vorgeschrieben.

"Unsere" Küste vom Meer
aus und von der Terrasse aus, wo wir abends oft sitzen...

Nach fast 50 Jahren ist
von der Ölpest nichts mehr zu sehen, nur die gefährlichen Felsen bleiben. Im
Gegensatz zur ebenfalls betroffenen Cote de Rose im Norden, gibt es nur sehr
wenige Seevögel hier. Unsere "Hausmöwe" patrouilliert den Garten nach Freßbarem
und läßt sich mit altem Brot füttern. Wir wohnen in einer Orchideenwiese, die
vom Garten bis zum Strand reicht.

Silbermöwe und
Pyramidenwurz

Dieses Felstor aus dem
typischen Granit hatte Renate auf einer Strandwanderung in der Nähe entdeckt.

Lampaul-Plourazel liegt
etwas nördlich von unserem Haus. Der Hafen fällt bei Ebbe trocken.
Exkursion nach
Sainte-Mathieu am 10.Juni:
Der Leuchtturm von Saint-Mathieu
Seit fast tausend Jahren wird alles getan, um das Feuer an der Spitze von
Saint-Mathieu am Brennen zu halten. Im Mittelalter, also lange vor dem Bau eines
Leuchtturms auf diesem Felsvorsprung, unterhielten die Mönche ein Leuchtfeuer
auf der Spitze der Abtei, um den Seeleuten den Weg durch die Brest-Enge und den
gefährlichen Kanal von Le Four zu weisen. Es bedurfte vieler Innovationen, um
diese Flamme bei Wind und Wetter am Leben zu erhalten.
Als der alte Turm der Abtei einzustürzen drohte, ließ die Marine einen
Leuchtturm in unmittelbarer Nähe bauen: höher, stärker, moderner. Der 1835
eingeweihte, 1932 elektrifizierte und seit 2005 ferngesteuerte Leuchtturm von
Saint-Mathieu kreuzt seinen Strahl dank seiner Fresnel-Linsen in einer
Entfernung von über 40 km. Dieses besonders starke Gerät feierte kürzlich seinen
200 Geburtstag.
Quelle:
https://www.iroise-bretagne.bzh/de/spitze-saint-mathieu/der-leuchtturm-von-saint-mathieu/

Sainte-Mathieu:
der elektronische Turm zur Schiffsüberwachung links und der "richtige"
Leuchtturm rechts der Kathedrale.

Am Strand bei Ebbe...

Der größte
Hinkelstein der Bretagne, der Menhir von Kerloas
steht etwas NO von Plourazel. Jetzt noch 9,5 Meter hoch, hat er nach einem
Blitzeinschlag 2,5m Höhe eingebüßt. Wiegt >100t und wurde vom Steinbruch 3,5km
wie auch immer hierher transportiert. Obelix? Bei 15° ist noch die Jacke
angesagt. Mitte: in unserer
Hausbucht gibt es immer was zu sehen... Sonntag: Nach einem sehr
heißen Tag mit 32°C verabschiedet sich die Sonne um 22:21 Uhr...Doch in der
kommenden Woche soll sich die Temperatur wieder auf ca. 20°C einpendeln,
hurra!!!

Westlichste Bretagne,
Küstenwanderweg und Felsküste: Ausflug nach Tremazan. Rechts im Hintergrund der
Phare du Four auf einem winzigen Inselchen. Blick nach Süden.

Strandnelken und
Hengst, der seine kleine Herde bewacht. Er versucht seine Nase in mein
Weitwinkel zu stecken...

Blick nach Norden. Im
Hintergrund einige Häuser von Tremazan. Hier verläuft auch die D127, alles noch
völlig unverbaut, schön, mit Sonne wär's besser.


Mittwoch, da waren wir
vormittags bei starker Ebbe (mehrere Meter Tiedenhub) an unserer Hausküste zu
Fuß unterwegs. 5km nach N bis Lampaul-Plourazel und 10km nach S bis zum Point de
Corsen ist die Küste sehr schön und auch durch den "Küstenpfad erschlossen." Es
wechseln Klippen mit Sandbuchten und es ist noch kaum was los. Die Parkplätze
halb bis ganz leer.
Abendstimmung: Mond und Venus ca.23:00
Heute machen wir einen
weiten Ausflug (ca. 250km) zur Halbinsel von Crozon via Brest und Faou.

Die Steinreihen/Menhire
von Lagatjar - WIKI:
"Sie sollen ursprünglich aus bis zu 400 Steinen bestanden haben, so dass die
Gesamtlänge des Hauptbauwerkes früher 600 Meter erreichte. Viele der
umgestürzten Steine aus weißem
Quarzit wurden im Jahr 1928 wieder aufgerichtet, so dass die Reihen heute
aus 72 Menhiren bestehen. Die längste Reihe besteht aus 42 Steinen und ist heute
etwa 200 Meter lang."
Viele der Steine wurden später wieder als Baumaterial verwendet, das erklärt die
Differenz von 400 zu 72. Die drei Reihen bilden ein U.

Pointe de Ben Hir
mit seinen Erbsen: Im Vorfeld liegen "Les Tas de Pois", die Erbseninseln.
Schwierige Kletterei dort, Bergschuhe sind angebracht...
Bis 12:15 war die Zufahrt gesperrt, es wurde dort eine Notfallübung mit
Gendarmerie und Notärzten mit RTW's und OP Zelt durchgeführt. Wir warteten
derweil bei den Menhiren von Lagatjar.
Von dort aus sind es
ca. 5km zum Pointe de Dinan auf der anderen Seite der Bucht. Hier kann man weit
am Strand entlanglaufen und weiter oben auch die renaturierte Heide bewundern.
Es ist noch kaum was
los. Die wenigen Restaurants haben noch zu oder nur am WE auf. In den Bars
bekomt man zwar Café oder Bier, aber nichts zu essen... Die Bäckereien haben nur
morgens und abends zum Brotkaufen auf. Wir finden um 3:00 in Faou in der
Altstadt einen Bar, Lotto & Tabakladen, der hat Eishörnchen und einen guten
Cappuccino, meine Rettung, denn ich bin fahrmäßig platt von der Kurverei ohne
richtige Mittagspause. An der Küste sind es 21-22°, mehr im Inland auch bis
27-28°C, da schalten wir die Klimaanlage im Auto ein. Zu Hause sollen es Morgen
(=Freitag) bis zu 37°C mit hoher Luftfeuchtigkeit werden, ähnlich wie derzeit
auch in Paris. Viel Erfolg bei Abkühlen...

Freitag - Faulenzertag
an der Hausküste bei 20°C hier am Land's End. Ihr müßt schwitzen, wir
brauchen wegen des Windes eine Weste! Könnten sogar Muscheln fürs Essen ernten.
Tun wir aber nicht, weil mittlerweile enthalten Muscheln bedeutende Mengen an
Mikroplastik*, da sie ja Meerwasser in großen Mengen filtrieren...
Ein paar Kilometer
weiter im Inland steigt die Temperatur aber auch schon bald über 25°
Paris meldet 38°, zu Hause in Zülpich laut WDR5 schlappe 36,4°C...
* Uguen,M. et al. 2025: "Plastic pollution and
marine mussels..." in: Science of the Total Environment 959: 178078
Sonntag Morgen machen
wir einen kleinen Ausflug ins Mittelalter, nach Saint Renan:
Rathaus und Fachwerk
aus dem 16. Jahrhundert, das Maison Cardinal.

Die Romanische Kirche,
derzeit der kühlste Platz am Ort... Draußen sind es schon mehr als 25°C um
10:30...


Am Phare du
Pontusval - der graue Granit...

Grauer Granit,
geologische Zeiträume, Wetter und Flechten...
Losgefahren Montags
morgens um 9:15, 22°C. Nachmittags um 16:00 zurück bei 33°C.

Nach 22:00 könnte es
ein Gewitter geben, kommt aber nicht, der Wind kommt weiter sehr warm vom Land
statt kühl vom Meer... Erst um 3:00 wechselt die Windrichtung und es wird
deutlich kühler! Wir können aber in der ersten Etage gut durchlüften: Balkone
und Fenster liegen nach Ost und West.
Dienstag 23.6.: warmer
Tag heute, aber nicht wirklich heiß, denn der Wind kommt vom Meer. Trotzdem ist
der Strand voll, das halbe Dorf schein da zu sein... Die ganze Straße ist
vollgeparkt. Wir haben den Panoramablick.

Wetterkarte von
heute, 23.6. Bis auf
einen ganz schmalen
Streifen an des
Küste von Finistere
ist es mehr als
heiß. Aber wir haben
Glück hier 28°, zu
Hause am Eifelrand
wird es noch heißer
>34° - kein Meer für
den Ausgleich da...
In Bordeaux waren es
vorgestern
sensationelle 43°C !
Diese Hitzeblase
zieht jetzt zum
Wochenende ins
Rheinland und soll
die 40°C Marke
sprengen.
Und dann abends noch
Saharasand... in der Luft ?
24.+25.6. Hitzewelle, wir
bleiben zu Hause... keine
Bilder!
Freitag, 26.6. nachts und
morgens deutliche Abkühlung,
unser letzter Urlaubstag
dient der Erholung von der
Hitze...

Einsames Haus am
Küstenwanderweg

Der Küstenwanderweg zieht
sich entlang der gesamten
Bretagne.
Das Samtgras
(Lagurus ovatus)
ist eine Pflanzenart aus der
Familie der
Süßgräser (Poaceae) und
die einzige Art der Gattung
Lagurus. Es wird
auch als
Hasenschwänzchen oder
auch scherzhaft
"Hasenpuschel-Gras"
bezeichnet und wächst an
trockenen Stellen des
Küstenwanderweges in Horsten
von Einzelpflanzen.
27.6. 9:00 Rückfahrt jeweils
sehr warm: Start morgens bei
22° - nachmittags 33-34°C.
Wir übernachten in einem
kleinen Waldhotel, wie bei
der letzten Reise etwas
östlich von LeHarve.
Sonntag gegen 16:00
erreichen wir die Heimat. Im
Haus sind es unerreichte
27,8°C. Nachts können wir
durchlüften und haben
morgens erträgliche 23,7°C.
Fazit: die ersten beiden
Wochen waren toll, Rouen
sehr schön. Die letzte Woche
erwischte uns dann auch hier
an der Atlantikküste die
Hitze mit bis zu 34°C bei
Ostwind und 27-29° bei
Seewind aus NW.
Text & Fotos © Achim Kostrzewa, kein Nachdruck erlaubt, Zuwiderhandlung wird verfolgt ...
(begonnen am 6.6.26, fertig 30.6.)