Photographie in Polarregionen
A. Antarktis:
Unsere aktuellen Bilder finden Sie unter folgendem Link: http://www.naturfotografen-forum.de/search.php?types[]=img&authorid=58229
Wir fotografieren seit nunmehr 14 Jahren zwischen Kap Hoorn und Antarktischer Halbinsel, bis 2005 konventionell auf Diafilm. Aber das änderte sich im Mai 2008, durch den Kauf einer High End Digitalkamera (Nikon D 300), die in höchster Qualität Digitalbilder (12 MP) macht und uns ermöglicht, vieles aus unserer alten Ausrüstung weiter zu nutzen. Die D 300 hat sich auf Südgeorgien bei den Königspinguinen (Reisebericht) voll bewährt. Wir haben zwischenzeitlich auch schon verschiedene digitale Kamerasysteme ausprobiert : Die Lumix LZ 20 mit Leica Superzoom 36-432mm/5 MP ist Renates "Immer-Dabei-Gerät" und die Sony R-1 mit Zeiss 24-120mm/10,3 MP war für mich zunächst eine Notlösung, weil zum Winter 2006 die D 200 nicht lieferbar war. Habe diese Sony Kamera geliebt, weil sie technisch sehr gut, robust genug und unglaublich praktisch für die Reisefotografie ist, aber doch wieder abgegeben, weil sie oberhalb von 200ASA doch arg rauscht. Besonders bei den Nachtaufnahmen bei Zwergpinguinen (Reisebericht Tasmanien) machte sich die D 300 bis 6400 ASA recht gut. Habe aktuell (Feb. 2010) noch eine gebrauchte D 700 erstanden, die wegen der größeren Pixel noch rauschärmer arbeitet. Daher jetzt wieder zwei nunmehr digitale Nikons für die Reportage- und Naturfotografie.
Fotos: (links) Renate hinter dem Stativ auf Petermann Island, Antarktische Halbinsel. Hier gibt es eine Mischkolonie aus Adelie- und zugewanderten Eselspinguinen. Mitte: Adelie rufend (Nikon F4s mit 3,5/400 IF-ED ) und (rechts) Achim auf Paulet Island im Weddellmeer. Hier brütet eine große Zahl von Adelies.
Als ideale Ausrüstung erscheint uns derzeit für die Reportage die D 700 für Weitwinkel und Landschaften (Nikkore AF-D 2,8/14mm, AF-D 18-35mm, AIS 2,8/28mm, AIS 2,8/55mm micro, AF1,8/85mm, AIS 4/105 micro, AF 28-85mm & AIS 4/80-200mm) und für die Tierfotografie die Nikon D 300 mit AF 2,8/80-200mm Zoom und AF-S 4/300mm Tele mit 1,4-fach Konverter. Es bleibt also möglichst viel beim Alten, man spart Geld und hat den Weitwinkel- (ab 14mm) und Tele-Brennweitenbereich von 120-300mm (wegen des 1,5-fach Cropfaktors der D 300) 450mm und 630mm gut abgedeckt. Die alten, manuellen AIS Nikkore, die ich heute noch benutze, sind optisch-mechanisch Spitzenklasse, quasi unverwüstlich, was man von manchen AF Optiken wegen ihrer Plastikanteile nicht immer sagen kann: das optisch gute 24-50er haben wir z.B. mechanisch irreparabel verschlissen. Bei der Kombi D 300 + 700 kann man auf die gleichen Akkus zurückgreifen und braucht nur ein Ladegerät mitzunehmen. Für die Entwicklung der RAW Bilder erscheint Capture NX2 ideal. Ein kleines Laptop vervollständigt die Reiseausrüstung.
Kleinbild auf Diafilm – Ja, das gibt es immer noch und macht weiterhin Spaß! 24 Top-Dias in einem Journal 24 (oder 12 4,5x6 Dias von der Mamiya 645) anzuschauen hat doch etwas haptisches. Mit dieser Technik haben wir in 10 Jahren unseren Bildband fotografiert. Aus praktischen Gründen verwenden wir schon seit 30 Jahren Nikon Kleinbildkameras (Format 24 x 36 mm). Renate benutzte seit Anfang 2001 immer ihre leichte F801s mit 3,3-4,5/24-50 und 2,8/80-200 AF-Objektiven. Wenn es das Gepäck erlaubt, kommt das AF-S 4,0/300 dazu. Unverzichtbar ist für Abendstimmungen das AF 1,8/85. Man muß vom Schiffsdeck immer aus der Hand fotografieren, damit sich die Vibrationen der Maschine nicht über das Stativ auf die Kamera übertragen können. Man kann also das Stativ meist nicht verwenden. Ich benutze seit vielen Jahren eine ziemlich gut gegen Spritzwasser abgedichtete F4s mit manuellem 3,5/18, 2,8/28, 1,4/50, AF 1,8/85 und AFS 4/300 plus 1,4-fach Konverter, natürlich auch die beiden Zoomobjektive. Wenn wir beide mit Telezoom arbeiten wollen, habe ich noch das hervorragende manuelle 4,0/80-200mm in Reserve genauso wie eine Nikon FM2 mit Motordrive. Alles nur Originalobjektive sehr guter Qualität. Einbein- oder Dreibeinstativ (Manfrotto 055B). Die schweren Teles 3,5/400mm (mit TC 301) oder AF-S 2,8/300mm haben wir wieder verkauft. Sie sind in der Antarktis nicht unbedingt nötig und belasten das Handgepäck im Flugzeug zu sehr. Unser Film für die Antarktis ist überwiegend Fujichrome Sensia 100, wenn möglich auch Velvia 50 und neuerdings Velvia 100F. Zudem sind die meisten analogen Kleinbildkameras sehr robust und funktionieren auch gut bei Minustemperaturen, wenn man Qualitätsbatterien einsetzt. Eine wichtige Voraussetzung für die Arbeit in menschenleeren Landschaften – da, wo man nichts nachkaufen kann – ist zum Beispiel darauf zu achten, dass alles mit dem gleichen Batterietyp (Mignon oder AA wie unsere alten Nikons, sogar die D 300/700 mit Batterieteil MB-D10) zu betreiben ist. Probleme bei der Analogfotografie ergeben sich durch die langen Anreisen, meist mit dem Flugzeug und die große Filmmenge (100-300 Filme pro Saison), die man im Handgepäck mitschleppen muß.
B. Arktis (Fotos zu diesem Kapitel werden noch folgen)
Europäische Arktis - Varanger-Halbinsel: 1984 waren wir erstmals mit unserem VW-Bus in der europäischen Arktis. Nach schier endlosen 3.300 Kilometern Fahrt durch Schweden über die E 4 entlang des Bottnischen Meerbusens und über die Eismeerstrasse am Torneälven durch Nordfinnland bei Sonne, Regen, Wind und Schnee war das Ziel in Nordost-Norwegen endlich erreicht: die Varanger-Halbinsel. Zusammen mit der westlich benachbarten Porsanger-Halbinsel bildet dieses kleine Gebiet im äußersten Norden Festland-Europas einen Teil der Arktis mit allem was dazugehört: Permafrostboden, weniger als 10 Grad Celsius Durchschnittstemperatur im Juli und einer baumlosen Tundra unter der Mitternachtssonne.
Anfang Juni zieht hier das Frühjahr ein. Die Schneefelder schmelzen. Da der Sommer nur knapp drei Monate dauert, beginnt die Natur mit den ersten langen Tagen regelrecht zu explodieren. Heute scheint die Tundra noch grau und trostlos, ein paar Tage später bildet sich ein einziges Blütenmeer. Man hört geradezu die Fjellbirken wachsen. Bei Windstille knistert es überall hörbar, wenn die jungen Blätter die braunen Hüllblätter aufsprengen.
Auch die Vögel müssen sich mit ihrem Nachwuchs beeilen. Anfang Juni sind die Dreizehenmöwen mitten in der Balz. Sie besetzen ihre napfförmigen Nester, die auf den schmalen Felssimsen von Store Ekkeroy thronen.
Erhöhte Stellen im Moor bieten Kampfläufern einen vielbesuchten Balzplatz. Mit ungeheurer Aggressivität streiten manchmal bis zu 20 Männchen, die eine auffallend gefärbte Halskrause tragen, um die Weibchen. Überall fliegen vielerlei Arten mit Nistmaterial. Seltene Greife wie Gerfalke und Steinadler oder Schnee-Eulen runden das Bild ab.
Der Arctic Ocean Highway führt von Varangerbotn direkt nach Norden zum Syltefjord mit seiner nördlichsten Kolonie der Basstölpel. Arktis pur.
Zentralalaska - Denali Nationalpark: Hier waren wir 1991 zum ersten Mal unterwegs. Schon ausgestattet mit einer der wenigen Fahrgenehmigungen für Fotografen, d.h. statt mit dem Shuttle Bus für die Touristen, durften wir mit dem eigenen Auto bis zum Wonder Lake fahren! Und nicht nur das, sondern auch jeden Tag für zwei kurze Wochen wohin wir wollten.
Spitzbergen: Hierhin wurden wir 2001 eingeladen. Nachdem wir unseren Kosmos Naturreiseführer Skandinavien im Vorjahr (2000) publiziert hatten, wollte die Reederei uns auf einer Tour von Hamburg über das Nordkap als Lektoren dabei haben. Diese Reise hatte ihren Höhepunkt in einem Besuch auf der Bäreninsel und einer anschließenden Spitzbergen-Umrundung, auf der wir bis über 80 Grad Nord kamen, bevor uns das polare Eis eine Grenze setzte. Später war Renate noch weitere Male dort.
Russische Arktis - Franz-Joseph-Land: 2004 wurde Renate von einem deutschen Reiseunternehmen eingeladen, eine Reisegruppe auf der Kapitän Dranitsyn zu begleiten und führen. Die Reise startete im uns wohlbekannten Kirkenes am Varanger Fjord. Das russische Franz-Joseph-Land ist nur zeitweise für Touristen offen und wird immer wieder gesperrt. Der Besuch war also großes Glück.
Grönland: Seit 2002 Renates Sommerresidenz, wo sie mit verschiedenen Schiffen entlang der Westküste unterwegs ist. Zuletzt waren wir dieses Jahr auf Einladung durch die Reederei auf der Fram bis Thule hauptsächlich zum Fotografieren (Achim) dort.
Was vorher war: 1980 hat es mit der ernsthaften Naturfotografie in Schottland angefangen. Seit wir auf dem Bass Rock standen, waren wir vom "Virus Seevögel" infiziert und haben uns in den Folgejahren durch schottische Inseln (einschließlich Orkney und Shetland) fotografiert. Unsere Bilder erschienen in fünf Bildbänden und einem eigenen BLV Naturreiseführer. Zunächst mit dem Zelt unterwegs, stellten wir ab 1983 auf einen VW Bus um, der uns auch durch ganz Skandinavien brachte. In den 1990er Jahren waren wir oft in West-Kanada und den USA (Rocky Mountains & Colorado Plateau) unterwegs, aber auch in Tansania, Australien und Neuseeland.
update 19.3.2010