Forscher bestimmen neue Pinguinart an Hand neuer genetischen Daten   

Von Achim & Renate Kostrzewa

Auf den abgelegenen Kerguelen-Inseln haben Forscher eine neue Pinguinart identifiziert. Die neue Studie beendet eine wissenschaftliche Debatte, die seit über hundert Jahren andauert.

Forscher haben auf den abgelegenen Kerguelen-Inseln im südlichen Indischen Ozean eine bislang unbekannte Pinguinart genetisch identifiziert, die zu den Eselspinguinen gehört. Sie trägt den wissenschaftlichen Namen Pygoscelis kerguelensis. Eselspinguine galten bislang als eine einzige Art mit bis zu sechs Unterarten.

Neue genetische Analysen zeigen nun: Es gibt insgesamt vier verschiedene Arten. Drei bisherige Unterarten wurden auf Artenstatus gehoben, Die Studie von einer ganzen Reihe von beitragenden Wissenschaftlern wurde im renommierten Nature-Fachjournal "Communications Biology" veröffentlicht.

·       die südöstliche Kerguelen-Art wird erstmals neu als Pygoscelis kerguelensis beschrieben.

·       Die östliche Art Pygoscelis taeniata, die auf den Crozet-, Marion- und Macquarie-Inseln beheimatet ist

·       Die nördliche Art Pygoscelis papua, die ausschließlich auf den Falkland- und Martillo-Insel im  Beagle Kanal in Feuerland vorkommt

·       Und die zahlenmäßig stärkste, südliche Art Pygoscelis ellsworthi, die auf der Antarktischen Halbinsel, den vorgelagerten Inseln und auf Südgeorgien heimisch ist

 

   Quelle: s42003-026-10081-7.pdf (Daly Noll et al. 2026) vom 26.4.26,

schon Ende 2020 wurde auf diese Zusammmenhänge hingewiesen (J.Tyler et al. 2020, Ecology and Evolution. 2020;10:13836–13846). Jetzt scheint es bestätigt anhand von 64 untersuchten Gen-Proben aus 10 verschiedenen Kolonien. Dafür braucht man nur noch eine kleine Blutprobe aus der Flügelvene, die man dann "bloß" noch tiefgefroren sicher bis ins Labor bringen muß.

Im Ergebnis hat die lange Zeit der Isolation der Populationen zeitlich wie auch räumlich getrennt gehalten. Das ist die Voraussetzung für Artenbildung, wie aus dem Lehrbuch !!!

 

Wir haben damit alle vier Pygocelis Arten am Ort in ihren Kolonien fotografiert !  Die südöstliche neue Art haben wir hier:

Kerguelen:

 

 

Die Navigation zwischen den Inseln dürfte dem Kapitän einige Seemannskunst abverlangen, sind wir doch das erste Passagierschiff überhaupt in diesen Gewässern. Bis zur Covid-Epidemie konnten auf dem Versorgungsschiff Marion Dufresne je 8 Paxe mitfahren, seitdem nicht mehr. Die Inseln sind nur noch für Forscher zugänglich.

Zuletzt waren wir 7.3.26 in Porte Jeanne D'Arc, einer alten (bis 1920) norwegischen Walfangstation im Golfe du Morbihan/Kuerguelen. Dort stehen die Eselspinguine am Strand und wissen noch nichts von ihrem Neuen Status. Man durfte nur auf 50 Meter heran und ich hatte nur mein 70-200mm als längste Brennweite dabei. Unterschiede bei den vier Arten kann man optisch sowieso keine erkennen. Wenn ich mir der Bedeutung der Fotos damals bewußt gewesen wäre, hätte ich mein 500mm mitgenommen....   Fotos © A. Kostrzewa

 

Antarktische Halbinsel:

Südlicher Eselspinguin (Pygoscelis ellsworthi) landet zusammen mit Adelies am Strand von Brown Bluff. An Spitze der antarktischen Halbinsel.              Foto © A. Kostrzewa, 1.2.2020

 

Südliche Eselspinguine (Pygoscelis ellsworthi) auf der Plenau Insel vor der antarktischen Halbinsel                Fotos: © Achim Kostrzewa, 29.2.24

Südliche Eselspinguine (Pygoscelis ellsworthi) vor Port Lockroy, antarktischen Halbinsel                Fotos: © Achim Kostrzewa, 29.11.23

 

Falkland:

 

Nördliche Eselspinguine (Pygoscelis papua) Sea Lion Island und Carcass Island Kolonien  Fotos: © Achim Kostrzewa, im Jan. 2016

Die Population im Beagle Kanal hat Renate vor vielen Jahren noch auf Diamaterial fotografiert...

 

Crozet und Macquarie:

Nachdem wir auf den Kerguelen landeten, sind wir an den Crozet Inseln vorbei gefahren: es war sehr stürmisch, wir konnten die Zodiacs nicht nutzen, aber auch mit der Commandant Charcot nicht näher ans nicht kartografierte Ufer. Immerhin hat die Charcot mehr als 10 Meter Tiefgang und braucht aus Sicherheitsgründen mindestens 25 Meter Wassertiefe.

Große Kolonie des östlichen Eselspinguins Pygoscelis taeniata  auf Crozet. Foto: © Achim Kostrzewa, am 11. März 2026 mit 500 mm vom Schiff aus, wir haben 50 Knoten Wind und bis zu 7 Metern Dünung/Swell. Man kann kaum an Deck stehen und der Wind haut einem das Tele weg!

  

Kleine Kolonie des östlichen Eselspinguins Pygoscelis taeniata auf Macquarie nahe der Station.  Fotos: © Achim Kostrzewa, 28.12.12

So haben wir Laufe der Zeit alle vier "neuen" Arten gesehen und auch fotografieren können. Visuelle Unterschiede gibt es keine, wohl aber genetische, die auf die lange zeitliche wie räumliche Isolation zurückzuführen sind. Ihr Verbreitungsgebiet außerhalb der Fortpflanzungszeit ist wenig untersucht. Generell wird davon ausgegangen, dass sich adulte Eselspinguine ganzjährig in der Nähe ihrer Brutkolonien aufhalten. (Vgl. z.B. Ratcliffe et al. 2021: in Diversity and Distributions. 27:552–563 oder Clausen & Pütz 2003: in Polar Biology 26:32-40.)

Text und Fotos © Dr. Achim Kostrzewa